Mittwoch, 8. Januar 2014

Interview Willi Lemke: "Olympia ist kein Ort für Demonstrationen"

Düsseldorf . Der Sonderbeauftragte der Vereinten Nationen für Sport spricht mit unserer Redaktion über Missstände in Russland und den Gigantismus von Putin.
Von Martin Beils

Heute daheim in Bremen, morgen als Amtsträger in Tokio und Südkorea, dazwischen ein Interview mit unserer Zeitung – Willi Lemke ist mit seinen 67 Jahren energiegeladen wie ehedem. Der Aufsichtsratsvorsitzende des Fußball-Bundesligisten Werder Bremen, SPD-Politiker und ehemalige Senator der Hansestadt Bremen berät seit 2008 den Generalsekretär der Vereinten Nationen. Sein Aufgabengebiet: der Sport im Dienst von Frieden und Entwicklung.

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Kommentar Andy
Lemke: Der Terrorismus und einzelne politische Fehler dürfen den Sport in seiner Friedfertigkeit und Freundschaftlichkeit nicht besiegen. Hier treffen sich Athleten, die sich seit Jahren, zum Teil seit Jahrzehnten auf diese wenigen Tage vorbereitet haben. Ihnen gilt der höchste Respekt. Wenn politische Themen auszutragen sind, gibt es andere Plattformen dafür.
Respekt? Wofür? Das Menschen an ihre Sportlerkarriere denken, während zur selben Zeit im gleichen Land Homosexuelle gedemütigt und diskrimmiert werden und das nur weil sie schwul oder lesbisch sind? Welche andere Plattformen sollte es denn bsw. geben? Machen es sich Leute wie Willi Lemke nicht viel zu leicht? Olympia wird auf Biegen und Brechen durchgepeitscht. Gedanken wegen Diktatur, Meinungsfreiheit, Diskriminierung und Ausgrenzung, Rassenhaß, Zerstörung der Umwelt und vieles mehr, darüber kann sich ja irgendwer anders seinen Kopf zerbrechen. Zum Beispiel die UNO oder vielleicht auch die EU keine Ahnung, irgendwer halt. Nach dieser Meinung kann sich der Sport und vor allen Olympia sich mit den größten Diktaturen der Welt zusammentun und für wenige Wochen ein verkitschtes Disney-Bild der Welt präsentieren. 

Natürlich hat Herr Lemke recht wenn er sagt, dass es für poltische Themen prinzipiell andere Plattformen gibt. Nur geht es im Fall Russland nicht um irgendwelche, belanglosen Nebensächlichkeiten. Aber offensichtlich übersteigt dies die geistige Vorstellungskraft von Lemke. Ja, so ist das wenn man Hetero ist und niemals nach Links und Rechts schaut. Man verliert den Bezug zur Realität.
Lemke: Der Sport an sich ist absolut politisch. Er beruhigt, er lenkt ab, er dient der Gesundheit und reduziert damit die Kosten der Sozialsysteme. Aber er kann auch missbraucht werden, wie das Beispiel der von den Nationalsozialisten inszenierten Olympischen Spiele 1936 in Berlin und Garmisch-Partenkirchen gezeigt haben. Dagegen muss man sich zur Wehr setzen.
Moment, an dieser Stelle muss ich mal einhaken. Nazideutschland hat sich die Spiele nicht einfach ausgedacht sondern bekam 1933 ganz legal den Zuschlag vom damaligen IOC. Von Anfang an gab es Aufrufe zum Boykott. Und genau wie heute, wurden einie Menschen nicht müde immer wieder gebetsmülenartig von Frieden und Freundschaft, Völkerverständigung zu reden obwohl spätestens 1935 mit den Nürnberger Rassengesetzen  eigentlich hätte jeden halbwegs vernunftbegaten Menschen klar sein müssen, dass das Ganze keine gutes Ende nehmen kann. Die Schuld die Olympischen Spiele nicht abgesagt und trotz aller offenen Menschenrechtsverletzungen gute Mine zum bösen Spiel gemacht zu haben, lastet bis auf den heutigen Tag auf dem IOC. Herr Lemke meint, gegen so etwas müsse man sich zur Wehr setzen. Aha. Und weshalb tut man es dann im Fall Russland nicht. Ist es denn heute anders? Können wir es uns heute denn erlauben die Hände in den Schon zu legen und den Kampf um mehr Menschenrechte irgendwem auf irgendeiner anderen Plattform zu überlassen?
Lemke: Wir reden darüber, dass einige Länder erst in jüngster Vergangenheit Frauen in ihren Olympia-Mannschaften zugelassen haben. Aber es ist noch gar nicht so lange her, dass der Frauenfußball bei uns, sogar bei Werder Bremen, verpönt war. Oder nehmen wir den Umgang mit Homosexualität. Ich kann mich noch gut an den Paragraphen 175 des Strafgesetzbuches erinnern, der homosexuelle Handlungen unter Strafe stellte und erst 1994 offiziell gestrichen wurde.
 Das Teilnahmeverbot für Olympia mit dem deutschen Frauenfußball zu vergleichen ist ja an sich schon starker Tobak. Wie wenig sich Herr Lemke jedoch mit der Materie beschäftigt hat, zeigt die Tatsache das der Paragraf 175 in der Fassung vom 25. Juni 1969 (alte Bundesrepublik) nur noch homosexuelle, männliche(!) Sexualkontakte zwischen Erwachsenen und Jugendlichen unter 18 Jahren bestrafte. Wobei ich gewiss nichts Beschönigen möchte. Aber auf die Idee, jegliche postive Meinungsbildung und Berichterstattung über Homosexualität zu verbieten, ich denke, auf so etwas Perverses wäre noch nicht mal die CDU gekommen.
Lemke Ich stehe der Toleranz, mit der wir in der liberalen, demokratischen Welt diesen Themen mittlerweile begegnen, sehr positiv gegenüber. Doch es ist nicht überall San Francisco, Berlin oder Köln. Ich gehöre nicht zu denen, die sagen, dass überall auf der Welt westliche Maßstäbe gelten müssen. Ich habe mir abgewöhnt, in jedem Land ein Haar in der Suppe zu finden.
Aha, ob ich tolerant bin? Äh... jaaaaaaaaaa und wieeeeeeeeee. Ich bin ja sooooowas von tolerant das glaubt man nicht. Meine Güte, in Südafrika bsw. laufen lesbische Frauen Gefahr vergewaltigt zu werden, in Uganda können Schwule froh sein "nur" 20 Jahre im Gefängnis zu verbringen, im Iran werden Schwule kurzerhand gehängt und in Russland? In Russland werden Schwule und Lesben in jeder erdenklichen Weise diskriminiert und gedemütigt, sie haben keinerlei Rechte und jeder Bürger Russlands darf sich offen und ungestraft in beleidigender Weise über sie lustig machen, man kann sie sogar verprügeln. Sie können keinerlei offizielle Beziehung gründen, sie können sich nicht outen ohne den Job zu gefährden und so etwas nennt HErr Lemke ein Haar in der Suppe?
Tja, manche Dinge machen einen wirklich sprachlos.






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